Forschungsprojekt Julius Klingebiel

Wir haben unser Forschungsprojekt 2010 intiiert. Ziele waren die Erforschung der Biographie von Klingebiel und ihres historischen Kontextes, die Entwicklung und Entstehung sowie Erhaltungsgeschichte seiner Malerei und die Pflege seines künstlerischen Erbes, eingeschlossen der Einsatz für den Erhalt seiner Zelle. Die Arbeit wird in Ausstellungen und Veranstaltungen sowie durch eine Buchpublikation dargestellt.

Institutioneller Projektträger ist der Förderverein Sozialpsychiatrie Moringen e.V. (Vors. Dr. Dirk Hesse). Das Projekt wird von Prof. Dr. Andreas Spengler geleitet, der sich als ehemaliger Ärztlicher Direktor des Nds. Landeskrankenhauses Wunstorf / KRH Psychiatrie Wunstorf in der Tradition eines Krankenhauses sieht, in welchem Klingebiel 1939 untergebracht war. Mitbegründer sind Dr. Manfred Koller, bis 2015 Ärztlicher Direktor des ehemaligen Nds. Landeskrankenhauses und heutigen Asklepios Fachklinikums Göttingen, langjährig endverantwortlich auch für das Feste Haus, sowie Dr. Dirk Hesse, Ärztlicher Direktor des Maßregelvollzugszentrums Niedersachsen Moringen, in dessen Zuständigkeit das Feste Haus bis zum Frühjahr 2016 stand.

Projektpartner und zugleich Unterstützer sind die genannten Krankenhäuser, sowie die Sammlung Prinzhorn, deren Leiter Priv. Doz. Dr. Thomas Röske als Kunsthistoriker mitwirkt. Als Künstler und Autor engagiert sich Prof. Siegfried Neuenhausen, ehemals Hochschule für bildende Künste in Braunschweig. Seitens des Sprengelmuseums Hannover unterstützt dessen Direktor Dr. Reinhard Spieler die kunsthistorische Aufarbeitung. Fachlicher Berater war der Historiker Dr. Raimond Reiter, der 2011 verstarb.

Förderer und Sponsoren waren bis 2014 – in alphabetischer Folge:

  • - Bundesdirektorenkonferenz Ärztlicher Leiterinnen und Leiter Psychiatrischer Krankenhäuser in Deutschland,
  • - Kulturstiftung Göttingen,
  • - Landschaftsverband Südniedersachsen,
  • - Susanne und Gerd Litfin-Stiftung in Göttingen (erneut 2016),
  • - Dirk Rossmann
  • - weitere private Spender NN.

Wir danken auch an dieser Stelle sehr für die großzügige und effektive Unterstützung.

Die Landeshauptstadt Hannover und die Region Hannover haben das Projekt ebenso ideell unterstützt wie das Nds. Sozialministerium, in dessen Geschäftsbereich das Maßregelvollzugszentrum Moringen wichtige Verpflichtungen für Denkmalschutz und Erhalt übernommen und unsere Forschungen autorisiert hat. Weitere Partner wurden das Hauptstaatsarchiv Pattensen, die Stadtarchive Hannover und Göttingen, Unterstützung kam von Bundesarchiv und WAST, vom Institut für Ethik und Geschichte der Medizin in der Universität Göttingen und von der Stadt Göttingen, Sozial- und Kulturdezernat. Wir danken sehr für die gute Zusammenarbeit.

Nach einer Aufbauphase und Einwerbung von Fördermitteln im Jahr 2010 konnte das Projekt 2011 bis 2012 entscheidend vorangebracht werden

  • - durch Archivarbeit, unterstützt durch den leider 2011 verstorbenen Historiker und Buchautor Dr. Raimond Reiter, fortgeführt und erweitert durch Interviews mit Zeitzeugen durch Prof. Dr. Andreas Spengler sowie durch Erschließung weiterer Fotomaterialien,
  • - durch Erstellung einer neuen hochauflösenden Fotodokumentation der Zellenwände, bei welcher Hans Starosta, Göttingen, gemeinsam mit Anna-Lena Heinze auch historische Fotos eingebunden und später Sanitäreinbauten retouchiert haben,
  • - durch Herstellung einer hochwertigen neuen begehbaren Rauminstallation aus Großfotos bei Stephan Scheiter in Gleichen-Kleinlengnern (Scheiter Großbildtechnik),
  • - durch umfassende kunsthistorische Aufarbeitung von Dr. Thomas Röske, Heidelberg,
  • - durch Erarbeitung weiterer Ausstellungsmaterialien (Prof. Dr. Andreas Spengler).

Nicht zuletzt aufgrund unserer Forschungsarbeiten wurde die Klingebiel-Zelle durch Bescheid des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege vom 27.6.2012 in das Verzeichnis der Kulturdenkmale eingetragen, also unter Denkmalschutz gestellt (§ 3 Abs. 2 NDSchG). 2013 sind bauphysikalische und Oberflächenuntersuchungen zur Malerei durchgeführt worden, die staatlichen Baubehörden sind beteiligt. Damit ist ein zentrales Anliegen unserer Arbeit, der Erhalt der einmaligen Malerei formal abgesichert.

Im Herbst 2015 ergaben sich neue Forschungsansätze: Durch einen neuen Zeitzeugen erweitert sich das Bild von Julius Klingebiel als Mensch und Künstler und sind neue Anregungen zur Ausdeutung seiner Bilderwelt hinzugekommen, die in die Zeitgeschichte, besonders auch in die Filmgeschichte der 1930er Jahre verweisen. Auch kam die Forschung nach weiteren im Privatbesitz erhaltenen Originalbildern von Klingebiel voran. Derzeit sechs bisher nicht bekannte Originale auf Papier sind aufgetaucht und können mit freundlicher Unterstützung der Besitzer gesichtet und für künftige Publikationen ausgewertet werden. Sie wurden erstmals 2016 in der Bremer Kulturambulanz gezeigt.

Über die Entscheidungen des Landes Niedersachsen zum Verbleib der Zelle am bisherigen Standort (2018) informieren wir im Ordner „Zelle 117“.