Julius Klingebiel und seine Zelle: Die Geschichte

Der Künstler Julius Klingebiel (1904-1965) wurde 1940 als sogenannter "gefährlicher Geisteskranker" in das gefängnisartige Göttinger "Verwahrungshaus" eingeschlossen. Er hat dort von 1951 bis 1963 seine gesamte Zelle ausgemalt. Weitere Stichworte über Julius Klingebiel finden Sie auf dieser Internetseite.

Die Zelle ist erhalten und steht seit 2012 unter Denkmalschutz. Sie ist ein in ihrer Art weltweit solitäres Kunstwerk der "outsider art". Initiatoren des Projektes sind gemeinsam mit dem Autor dieser Homepage und Projektleiter Prof. Dr. Andreas Spengler auch Dr. Manfred Koller und Dr. Dirk Hesse. Wir setzen uns gemeinsam mit Kunstfachleuten dafür ein, die Raumausmalung dauerhaft der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie gerade dadurch vor dem Verfall zu bewahren.

Wir haben uns dafür ausgesprochen, die Malerei aus dem Raum herauszulösen und in einer musealen Umgebung zu restaurieren, zu schützen, zu erforschen und ihre Geschichte einer möglichst breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Dem Land lag seit 2014 das Angebot des Sprengelmuseums Hannover vor, die Malerei nach einer technischen Translozierung zu übernehmen und in einen kunsthistorisch hochrangigen Kontext zu stellen. Damit würde sie nicht nur in Fachkreisen, sondern in der Bildungsarbeit eine Breitenwirkung entfalten, die auch im Sinne der Inklusion Bedeutung hätte. Die Stadt Göttingen hatte sich dagegen ausgesprochen. 2018 waren der Verbleib der Raumausmalung und der Erhalt der Zelle Gegenstand einer Anfrage im Nds. Landtag.

2018 hat das Land entschieden, die Zelle an Ort und Stelle zu belassen und, dem Vernehmen nach, das Gebäude einer neuen Bestimmung zuzuführen. Denkmalpflegerische Erwägungen scheinen dabei maßgeblich. Somit ist die Zelle nach Auskunft der zuständigen Stellen auf absehbare Zeit nicht zugänglich. Offen bleibt, mit welcher zeitlichen Perspektive eine Restaurierung erfolgen und ab wann die Zelle für die Öffentlichkeit zugänglich werden könnte. Aus unserer fachlichen Sicht und aus unserer ehrenamtlich getragenen Initiative heraus kann dieser Weg nicht befriedigen. Das Gebäude steht seit 2016 leer, und es droht ein schleichender weiterer Verfall der Malerei..

Klingebiel in seiner Zelle, Mitte der 1950er Jahre. Asklepios Fachklinikum Göttingen
Bild: Klingebiel in seiner Zelle, Mitte der 1950er Jahre. Asklepios Fachklinikum Göttingen


Die Klingebiel-Zelle. Festes Haus Göttingen, I. OG, 117. Raumeindruck beim Betreten der Zelle. Der Lichteinfall führt tagsüber zu Spiegelungen der mit Klarlack überzogenen Wände. Foto Andreas Spengler 2013