Dorothea Buck

1917

Hamburg

Dorothea Buck

Dorothea Buck wurde am 5.4.1917 in Naumburg an der Saale als viertes von fünf Kindern geboren. Sie erlebte mit 19 Jahren eine schwere psychische Krise. In Bethel lernte sie ab 1936 die menschenunwürdigen Verhältnisse der Anstaltspsychiatrie kennen. Sie beklagte später eine totale Sprachlosigkeit seitens der Pychiater und Hauspfarrer. Bei diesem Aufenthalte wurde sie 1936 zwangssterilisiert. Der damalige Leiter Pastor Fritz v. Bodelschwingh war ein Befürworter der Sterilisierungen, auch wenn er sich später aktiv gegen die Tötungsprogramme der Nationalsozialisten wandte. Als „minderwertig“ abgestempelte Zwangssterilisierte durfte sie nicht heiraten, keine weiterführende Schule besuchen und mußte ihren geliebten Berufswunsch als Kindergärtnerin aufgeben. Aus tiefster Erschütterung heraus fand sie seit 1937 über das Töpfern zum klassischen Gestalten. Nach Studien an der Frankfurter Städel-Kunsthochschule und später an der Hamburger Kunsthochschule wurde sie freiberufliche Bildhauerin. Sie erhielt 1960 bis 1965 öffentliche Aufträge. Ihre Plastiken und Broncen haben den Menschen zum Thema und wählen eine expressive Formgebung. Daneben zeichnete und aquarellierte sie mit den Themen Natur und Landschaft. 1969-1982 lehrte sie „Kunst + Werken“ an der Fachschule für Sozialpädagogik I in Hamburg. Seit 1982 griff sie die beginnenden Psychiatriereformen unter anderem gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus Dörner auf und trat öffentlich für dieses Anliegen ein, um die Vergangenheit aufzuarbeiten und für eine humanere Psychiatrie zu werben. Dorothea Buck lebt in Hamburg.


Dorothea Buck hat ihr psychiatriepolitisches Werk bis heute als Buchautorin und in Vorträgen vertreten, und ihr sind viele Medienberichte gewidmet. Das Gedenken an die Opfer von Zwangssterilisation und Tötungsprogrammen in der NS-Psychiatrie ist ein zentrales Thema. Sie war 1987 Mitbegründerin „Bund der Zwangssterilisierten und „Euthanasie“-Geschädigten e.V.“. Ihre Auseinandersetzung mit dem Erleben von Psychosen brachte sie 1989 gemeinsam mit dem Psychologen Prof. Dr. Thomas Bock in die Entwicklung der "Psychose-Seminare" ein. Hier sprechen im „Trialog“ Betroffene, Angehörige und Fachleute miteinander über ihre Erfahrungen. Sie fördert die Selbsthilfe und den Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener, den sie 1992 mit begründete und dessen Ehrenvorsitzende sie ist. 1996 wurde in Bottrop Wohnheim nach ihr benannt. Sie wirkte bis 2008 an dem Schulprojekt "Irre menschlich" mit und engagiert sich für das Projekt "EX-IN". Sie wurde 1997 mit dem Bundesverdienstkreuz I.Klasse, 2008 dem großen Verdienstkreuz geehrt. Ihr Leben, Werk und künstlerisches Schaffen wurden von Alexandra Pohlmeier in dem Kinofilm unter dem Titel "Himmel und mehr" portraitiert.

"Wir müssen verstehen, was wir erleben, um unsere Erfahrungen in unser normales Leben integrieren, um anderen ein Verständnis vermitteln zu können" (Dorothea Buck 2009 auf einem Flyer des Paranus-Verlages).

Ein Guß der Bronce "Mutter mit Kind" steht in der Berliner Charité. Eine große Bronce steht einer Hamburger Schule.

(Auswahl:) Dorothea S. Buck-Zerchin (2002) Lasst Euch nicht entmutigen. Texte (1968-2001), Gemeinschaftsausgabe Norderstedt, Anne Fischer Verlag und Leipzig, Leipziger Universitätsverlag. Dorothea-Sophie Buck-Zerchin (2005) Auf der Spur des Morgensterns - Psychose als Selbstfindung, Neuauflage des zuerst 1990 erschienenen Buches Neumünster, Paranus Verlag. Dorothea-Sophie Buck-Zerchin (2009): Für die Opfer der "Euthanasie" und Zwangssterilisation im Nationalisozialismus, Rede bei der Gedenkveranstaltung 6. 9. 2008, Tiergartenstr. 4 in Berlin, Brückenschlag - Zeitschrift für Sozialpsychiatrie, Literatur, Kunst, Band 25 S. 15-23. Himmel und mehr - Dorothea Buck auf der Spur Buch/Regie/Kamera/Schnitt/Produktion: Alexandra Pohlmeier, Kino-Dokumentarfilm, 90 min, Digi Beta, Gefördert von Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein GmbH .

www.bpe-online.de . www.himmelundmehr.de

Eigene Angaben der Künstlerin. Foto der Bronce: © Alexandra Pohlmeier.

Foto: © Andreas Spengler 2010